Anamnese

September 2014

Wien, Flagball, Pass, Ahhhhhhhh shit! Was ist denn jetzt los? Mmmhh, irgendetwas passt jetzt ganz und gar nicht!

So lag ich da, in Embryostellung und schmerzverzerrtem Gesicht an einem wunderschönen, warmen Septembertag. Umzingelt von pubertierenden Schülern, unfähig auch nur einen passenden Laut von mir zu geben, transportierte mich die Rettung ins Krankenhaus.

Der Tag, an dem sich alles, aber wirklich alles veränderte.

Diagnose: Chaotische, perfektionistische Steirerin mit kaputtem Knie.

 

Oktober 2014

Verletztes Bein nach der Knieoperation„So etwas habe ich zuvor noch nicht gesehen und ich habe schon sehr viel gesehen!“, waren die aufmunternden Worte meines Chirurgen nach der ersten OP. „Sie dürfen das Bein nicht belasten und nicht bewegen“, gut, das war mir nach einer OP auch sonnenklar. „Entlastung des Beins für 3 Monate!“ Ok, das war jetzt aber nicht die richtige Antwort und mir wurde bei dem ernsthaften Gesichtsausdruckes der Krankenschwester und auch des Chirurgen schlagartig klar, dass es sich dabei um keinen Scherz handelte.

Die Diagnose traf mich mit voller Wucht und wäre ich nicht im Bett gelegen, so wäre ich auf der Stelle umgefallen. 1 000 Gedanken machten sich in meinem Kopf breit. ‘Zuhause gibt es 2 Stockwerke zu überwinden, wie gehe ich mit Felix Gassi und überhaupt, wie, was ist hier eigentlich los?!‘

Bepackt mit einem Rollstuhl, Krücken und ganz vielen Emotionen begann der innere Kampf. Der Kampf mit mir.

3 Monate Pause. Ja genau, Pause. Pause von allem. Vom Sport (zum Glück habe ich für den Vienna City Marathon eine Stornoversicherung im Vorfeld abgeschlossen – Karma?), vom Job, die totale Isolation quasi.

 

Ich begann meinem Tag Struktur zu verschaffen. Lernte Spanisch, ließ meine Querflöte wieder ertönen (sehr zu Freude Felix 😉 ) und ‘trainierte‘ mit Minihanteln meinen Oberkörper (leider ohne bleibenden Ergebnisse 🙂 ).

Die Tage vergingen und die zweite OP stand am Programm. Auf diese OP habe ich mich drei Monate gefreut, denn die gesetzte Schraube am Knie musste wieder entfernt werden. Und gibt es etwas Schöneres als den Heiligen Abend in einem Krankenhausbett zu verbringen (obwohl, ein Heiliger Abend ohne Familienhektik hat ja auch etwas)? Nein, in dem Moment nicht. Zu den Klängen von ‘Es wird scho glei dumpa…‘ flossen die Tränen wie Sturzbäche von meinen Wangen und ich sehnte mich sehr auf die Entlassung.

Jänner  – April 2015

Picknick mit Knieorthese in der Lobau.Physio!!!!!!!! Jawohl, es tat sich etwas! Oder auch nicht…. Denn wenn man drei Monate sein Bein nicht belasten durfte, verkümmert dieses zu einem sehr, sehr dünnen Beinchen. Also Reset – einen Neustart und von Null, ja genau, von Null beginnen. Wieder gehen lernen, denn wie geht das noch einmal? Ein sehr emotionaler Kampf begann und immer wieder gab es kleine Rückschläge. Die ersten Schritte von einem Küchenschrank bis zum nächsten hielten wir per Video fest und ich sah mir die Aufnahmen immer wieder an um mich zu motivieren. Am St. Patrick’s Day war es dann soweit, ich konnte wieder gehen! Zu Beginn noch sehr holprig, aber es ging von nun an wieder aufwärts.

Zusätzlich zur Physiotherapie im Krankenhaus, trainierte ich bei einem Sportphysiotherapeuten. Michi ließ mich ordentlich schwitzen und ich freute mich auf die dritte OP.

„Alles in Ordnung“, vernahm ich von meinem Chirurgen (er ist einfach der Beste) und auf die Frage ‘Ob denn der Wanderurlaub in Südtirol wohl auch gesichert sei‘, bekam ich ein „Ja“ und die Freude darüber war einfach unbeschreiblich schön. Von meinem Physiotherapeuten bekam ich noch einen tollen Tipp für die Übernachtung in Meran und die Abenteuer mit meinem ‘repariertem Knie‘ konnten beginnen.

Spaziergang mit Krücke und Hund an der Donau in Wien.

Südtirol 2015

 

Perfekt vorbereitet, stand dem ersten Wanderurlaub nach meinem Unfall nichts mehr im Wege und wir checkten hochmotiviert in Meran

Erster Wanderurlaub nach der Rehabilitation der Knieverletzung mit Felix dem Appenzeller Sennenhund in Südtirol (Hirzeralm).

ein. Wir – das sind P.S. (mein zweibeiniger Ruhepol) und Felix (der sture Appenzeller Sennenhund).

 

Der erste Ausflug begann mit einer Gondelfahrt auf die Hirzeralm im Wandergebiet Saltaus-Klammeben. Die ersten Schritte auf unebenen, steinigen Boden waren gewöhnungsbedürftig, aber das Gefühl und die Freude darüber überwiegten. Von Wanderung zu Wanderung spürte ich mich selber wieder und die Lebenslust kam von Tag zu Tag heftiger denn je zurück.

Rennsemmel 2016

Der 4. August 2016 war ein ganz besonderer Tag. An diesem Tag kaufte ich sie, meine heiß geliebte Rennsemmel. Nach einem Beratungsgespräch bei Bernhard Kohl war ich nun stolzer Besitzer meiner eigenen Rennsemmel. War ich davor nur begeisterter Fan dieser Sportart, ließ mich das Rennradfieber nach mehrmaligen Probefahrten mit einem Leihrennrad nicht mehr los. Einmal infiziert, immer infiziert 🙂 .

Da stand sie nun – meine Rennsemmel „Wilier GTR Granturismo“ in ihrer vollen Pracht. Weiß mit einem giftigen, rot-orangen Schriftzug und wartete ungeduldig auf ihre ersten Abenteuer.

Willier GTR Rennrad vor dem Anstieg auf die Silvretta Hochalpenstraße von Galtuer kommend.

Mein erstes Abenteuer mit meiner Rennsemmel werde ich auch nie vergessen. Aus einem „Ich bin gleich wieder zurück“ wurden die ersten 80km abgespult. Die Ausfahrt führte mich an endlos erscheinenden, flachen Geraden nach Hainburg an der Donau. Das dortige verzehrte Eis schmeckte ausgezeichnet und haben die für mich öden, flachen Geraden auch wieder wett gemacht.

Lang und flach – ja das ist nichts für die Wuede Henn.  Die richtigen Abenteuer konnten beginnen!