Rennradtour Col de L’Iseran 2.770m, Frankreich

Die Tunnelkette des Grauens

‚Möchtest du lieber die kurze Strecke mit ca. 1.000 Höhenmetern fahren oder die lange mit ca. 2.000 Höhenmetern?‘ Was für eine Frage!!! Wer mich kennt, der kennt auch die Antwort 🙂 . Eine Entscheidung, die ich aber aufgrund der Tunnelkette des Grauens dann doch ein wenig bereut habe….

Nach dem TOURtastischen Tag am Vortag war ich in der Früh ausnahmsweise einmal nicht so frisch und munter. Unser Tag begann damit, die Räder in unser Auto zu verstauen und uns auf den Weg nach Seez zu machen. An die Autofahrt über den Col du Petit Saint Bernard habe ich allerdings keine all zu guten Erinnerungen. Ich kam mal wieder zu dem Entschluss, dass ich besser und viel lieber mit dem Rad Pässe fahre, anstatt als Beifahrerin im Auto die Kehren zu zählen und zu hoffen, dass das Frühstück dort bleibt, wo es hingehört 😉 . Ich muss zugeben, der Tag und ich waren noch keine all zu guten Freunde.

Ein klein wenig außerhalb von Seez fanden wir einen Parkplatz und wir konnten unsere Tour auf den Col de L’Iseran starten. Zu diesem Zeitpunkt hatte es schon über 30 Grad. Die Straße bis Val d’Isere ist nicht empfehlenswert. Wir wussten zwar, dass es dort einige Tunnel zu bewältigen gibt, aber aufgrund des sehr starken Verkehrs entpuppte sich die Zufahrt als Höllentrip! Einige Tunnel sind nach wie vor nicht beleuchtet und man fährt im Blindflug (die Stirnlampen, die wir übrigens mit hatten, fühlten sich im Quartier pudelwohl) durch und hofft, dass das ganze Spektakel bald zu Ende sei. MANN kann sich vorstellen, wie gut gelaunt ich dabei war. Zu diesem Zeitpunkt war mit mir bestimmt nicht mehr gut Kirschen essen. Apropos Essen, seit der Autofahrt war ich hungrig und in Val d’Isere hätte ich ein ganzes Backhendl verdrücken können, aber mir blieb nichts anderes übrig, als ein Gel zu essen und zu hoffen, dass ich auf der Passhöhe etwas zu essen bekommen würde. Vorsichtshalber aber packte mir Pint Siper schon beim Start unserer Rennradtour ein glutenfreies Brot ein.

Nachdem wir die Tunnelkette des Grauens überlebt haben, wurden meine angeschlagenen Nerven vom Anblick des blitzblauen Lac de Crevil beruhigt. Wenig später erreichten wir  auch schon Val d’Isere (hier wäre die kürzere Variante mit 1.000 Höhenmetern gestartet) und ich hörte  das erste Mal eine kleine Stimme in meinem Kopf  die meinte ‚Bleib hier, ruh dich aus, esse etwas und vergiss den Pass!‘. Hahahaha, ja genau! Darum habe ich mich auch durch diese Tunnelkette gekämpft um jetzt meiner inneren Stimme zu folgen? Sicher nicht! Nach einigen ‚Sudereinlagen‘ (zu deutsch: jammern, sich beschwerden) tritt ich wieder in die Pedale. Eine atemberaubende Landschaft tat sich vor meinen Augen auf und ich musste sofort an die Paragleiten- Szene aus dem  Film ‚Ziemlich beste Freunde‘ denken. Wenige Augenblicke später traute ich meinen Augen nicht, als doch tatsächlich ein Paragleiter im Himmel seine Kreise zog! Nach meinen Recherchen wurde die Szene aus dem Film am Col des Saisies und somit gar nicht so weit weg vom Col de L’Iseran gedreht.

Die Kletterei fiel mir aber an diesem Tag alles andere als leicht. Mein Hunger war noch immer da und ich bat Pint Siper um motivierende Worte. Diese bekam ich auch in Form von ‚Es sind ja nur mehr knapp 1.000 Höhenmeter’….

Zum Glück hat man während der gesamten Kletterei einen traumhaften Blick auf Val d’Isere und den umliegenden mit Schnee bedeckten Bergriesen.

1 Stunde und 16 Minuten später erreichten wir den Col de L’Iseran und ich war unendlich erleichtert! Nach der üblichen Fotosession wärmten wir uns in dem Souvenirshop auf. Mir wurde beim Kauf eines Col de L’Iseran Trikots gleich viel wärmer ums Herz und wir gönnten uns eine verdiente Pause im Lokal. Als ich die Kellnerin bat, mir aus meinem mit gebrachten glutenfreien Brot ein Sandwich zu zaubern, kam die Köchin höchstspersönlich und  bat mir ein hauseigenes glutenfreies Sandwich an. Na da staunte ich nicht schlecht! Solch einen Luxus auf 2.770 Metern Höhe konnte ich noch nie genießen und es schmeckte himmlisch! Eine satte Wüde Henn ist eine noch glücklichere 🙂 .

Nachdem ich alles, was Pint Siper in seinem Rucksack verstaute, anzog, sausten wir den Pass hinunter und ich verdrängte den Gedanken, wieder durch die Tunnelkette zurück nach Seez fahren zu müssen.

Diesmal fuhr Pint Siper voraus und ich war heilfroh, als wir unser Auto am Parkplatz wieder sahen.

Fazit:

Der Col de L’Iseran ist landschaftlich ein absolutes Highlight! Man klettert in einer atemberaubenden Landschaft gleichmäßig hinauf und kann sich zudem in einem Lokal auf der Passhöhe glutenfrei stärken. Die Anfahrt von Seez empfehle ich aber aufgrund der Tunnelkette nicht, da macht es mehr Sinn erst von Val d’Isere zu starten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Kommentar bei „Rennradtour Col de L’Iseran 2.770m, Frankreich“

  1. Einfach genial ausgeschmückt in Bild und Wort!

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