Rennradtour Colle San Carlo 1.950m und Col du Petit St. Bernard 2.188m zur Tour de France, Italien/Frankreich

Ciao Bella, Ciao Bella, ciao, ciao, ciao!

Du bist eine wunschlose glückliche Wuede Henn, wenn du als einzige Südsteirerin (P.S. ist männlich) in La Rosiere in einem Gasthaus lautstark mit französisch und italienischen TDF Fans Ciao Bella, Ciao Bella singst. Dann weißt du, du bist mittendrin statt nur dabei bei der Bergankunft der Tour de France in La Rosiere 🙂 .

Mit Sonnenschein und wolkenlosem Himmel präsentierte sich Bella Italia von seiner schönsten Seite. Ich war so aufgeregt an diesem Morgen, denn es war der Tag aller Tage. Die Tour de France war ganz in unserer Nähe und so mussten wir nur über den Colle San Carlo (pfui deibel – der hatte es in sich!!!!) und den Col du Petit Saint Bernard zur Zielankunft nach Lo Rosiere fahren.

Ein bisschen mehr als 70 km und 2.000 Höhenmeter trennten mich von meinem ganz großen Traum, nämlich bei einer Bergetappe der TDF live dabei zu sein. Unsere Tour startete in Morgex und es ging gleich Vollgas los! Der Colle San Carlo, bekannt durch den Giro d’Italia, war richtig zäh. Ich bin wirklich nicht zimperlich, aber bei diesem Pass (man klettert in 10 km 1.000 Höhenmeter) kam ich ordentlich ins schwitzen. Zum Glück wurde ich von vorbeifahrenden Autofahrern immer wieder lautstark mit ‚Allez, allez‘ angefeuert und das trieb meine Wattleistung wieder nach oben 🙂 . Die Passhöhe erreichte ich nach 1:10 und ich war wirklich froh, kurz verschnaufen zu können. Nach einer kurzen Fotosession ging es schon wieder bergab und der Anstieg auf den Petit Saint Bernard über La Thuile konnte beginnen.

Am Beginn der Kletterei wurde ich noch von französischen Rennradfahrern verfolgt, die ich aber bravourös abhängen konnte. Der stärkste Fahrer der Gruppe ließ das aber nicht auf sich sitzen und holte zu mir auf und meinte ‚No Engine?‘ und ich deutete auf meine Oberschenkel und meinte  ‚Autriche power legs‘. Anscheinend hinterließ ich bei der Gruppe mächtig Eindruck und war sogar ein wenig stolz auf meine Kletterleistung.

Der Petit Saint Bernard ist zum Klettern sehr gut geeignet, da die Anstiege sehr moderat und gleichmäßig sind. Zudem wird man mit der Kulisse des Mont Blanc belohnt. Auf der Passhöhe gönnten wir uns eine kurze Pause und inmitten anderer Tour de France Fans stieg die Nervosität mehr und mehr.

Die Abfahrt nach La Rosiere genoss man im übrigen völlig ohne Autos, da die Straße aufgrund der TDF gesperrt wurde. Herrlich!

Nun stand ich mit meiner Rennsemmel doch tatsächlich im Zielgelände. So richtig fassen konnte ich es zu Beginn eigentlich gar nicht. Ich lief wie ein aufgescheuchtes Huhn umher und wusste nicht so recht, wo ich denn zuerst hinschauen sollte. Ich wurde ein klassisches  Opfer der Reizüberflutung. Am Fanstand gönnte ich mir natürlich ein T-Shirt und anschließend beschlossen wir aufgrund der heißen Temperaturen uns in einem Gasthaus zu stärken. Die völlig richtige Entscheidung, denn dort wimmelte es nur so von Fans und Presseleuten. Zu Ciao bella, ciao bella schmeckte das kühle Bier noch köstlicher und wir waren bereit für die Zielankunft!

Es war kur vor  halb sechs, als Geraint Thomas als Sieger der Etappe Albertville-La Rosiere über die Ziellinie fuhr. Die Stimmung war phänomenal!!! Ich wusste nicht, ob ich fotografieren oder anfeuern soll, so tat ich beides zugleich und dementsprechend wurden auch die Bilder 😉 .

Gänshautfeeling pur, als ich unseren Lukas Pöstlberger erspähte und ihn lauthals mit ‚Gemma, geht schon Pösti‘ anschrie und er es doch tatsächlich mit einem Nicken kommentierte. Ich dachte mir, dass ein ‚Gemma geht schon‘ unter lauter italienischen und französisch sprachigen Fans doch heraussticht und ich wurde durch ein Nicken von Pösti dadurch bestätigt.

So brachen wir überglücklich und dennoch erschöpft mit unseren Rädern auf und ich genoss die abendliche Stimmung bei der Heimfahrt über den Col du Petit Saint Bernard sehr. Es war einfach ein TOURtastischer Tag!

Fazit:

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch für Rennradfahrer, mit allem, was das Rennradherz höher schlagen lässt. Radfahren in Frankreich oder auch in Italien ist etwas ganz besonderes, das sich mit Worten sehr schwer beschreiben lässt. Man muss es einfach selbst erleben, wie sich ein „Allez, allez‘ anfühlt…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Kommentar bei „Rennradtour Colle San Carlo 1.950m und Col du Petit St. Bernard 2.188m zur Tour de France, Italien/Frankreich“

  1. Deinen eindrucksvollen Tag hast du perfekt in einen Bericht gepackt! Einfach großartig!

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